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Stellen wir uns doch hier einmal der Frage, inwieweit wir den "Umgang mit Innovationen in Industrie und Wirtschaft" auf Schule übertragen können - die schlechten Vorbilder von Neoliberalismus und Neokapitalismus muss man ja nicht gleich mit übernehmen.
Unternehmen werden jedenfalls beständig an der Verbesserung der Produktqualität (Qualitätsent- wicklung) arbeiten, leisten sich darüber hinaus - wie auch immer - eine Erfinder-Abteilung (Forschung und Lehre) für neue Produkte, müssen Organisa- tionsformen entwickeln, wie vorhandenes betrieb- liches Wissen erhalten bleibt und an neue Mitarbeiter weitergegeben wird und stellen Überlegungen dazu an, was man mit den eigenen Mitarbeitern selber bewerkstelligen kann und was sinnvoller Weise nach außen vergeben wird. Konzepte für Innovation sind also in der Wirtschaft kein Zufallsprodukt.
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Von der Not zu den Visionen
Konzepte zur Innovation sind kein Zufallsprodukt
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Vor unserer konzeptionellen Schulentwicklung stand die Einrichtung und Organisation einer Schülermitver- antwortung, die mit dem Wunsch nach Sitzplätzen für Pausen und Wartezeiten an den Schulleiter heran- getreten war. Zusammen mit engagierten Lehrkräften und teilweise auch schon mit Eltern baute man Sitzgelegenheiten für Schüler (moderne Aulamöbel – Stefan Thurn, grünes Klassenzimmer - Reinhold Fritsch, Josef Aumüller - Gartenmöbel, Anton Stadler und Mechthild März – Schüler-Café Möbel, Karl Kohn, Stefan Thurn, Norbert Schwarz – Eisenbahnsitze im Schüler-Café und als Highlight die Umgestaltung unseres Pausenhofes im mehrjährigen Projekt). Wir haben also r e a g i e r t und schritten dabei zur Selbsthilfe. Weitere Reaktionen auf weitere Nöte im Schulalltag folgten.
Qualitätsmanagement
So kam es zu erheblichen Veränderungen in unserem Schulleben. Wir haben dann aber schrittweise aufgehört, im Schulleitungsteam und zusammen mit weiteren engagierten Lehrkräften n u r n o c h auf akute Probleme zu reagieren, sondern bemühten uns um eine konzeptionelle Entwicklung unserer Schul- und Unterrichtsqualität. "Wer nicht handelt, wird behandelt" (Adolf Kolping), war eines unserer Motive , obwohl wir die zahlreichen kritischen Stimmen zu Innovationen natürlich auch gehört hatten.
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Dabei hatten wir durchaus noch keine klare Vorstellung davon, wo wir ankommen werden, aber wir hatten uns auf den Weg gemacht. „Schule in Bewegung“ war eine Leitidee. Das Rezept hieß stets: Absprachen im Team, Zusammenarbeit und Austausch von Erfahrungen, z.B. zu erfolgreichen Lernorganisationen oder zu pädagogischen Maßnahmen und bei Veränder- ungen immer soviel Selbsthilfe wie möglich. Dann natürlich die Vereinbarungen fixieren und wiederauffindbar machen (vgl. A-Z)
Außerschulische Partner
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| moderne Konferenztechnik - Team |
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| Partnerprojekte mit Betrieben |
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Als außerschulische Partner holten wir zunächst die Eltern, darunter auch örtliche Betriebsinhaber, aber auch überörtliche Wirtschaftsbetriebe und deren Vertreter ins Boot. Wir führten in Projekten Maßnahmen durch, die entweder unseren Wirtschaftpartnern oder der Gestaltung unseres Lebensraumes dienten. Jedoch - die Produkte hatten wir erst auf den zweiten Blick im Auge, denn es ging in erster Linie um die Erfahrbarkeit der Lebenswirklichkeit, ums r i c h t i g e L e b e n also. Zum erfolgreichen Projekt – und sei es noch so klein – gehört untrennbar die Dokumentation und Präsentation. Dazu herrscht inzwischen eine hervorragende Kultur an der VS Deining. Und mit der Nutzung der Möglichkeiten durch die neuen Medien (Videoschnitt und Homepage) hörten wir allmählich auf, Projektmappen zu erstellen. Unsere Präsentationen liegen seitdem im Internet (www.vs-deining.de). Inzwischen können wir gesponsert mit auctores eine interaktive Plattform benutzen, so dass die Teamarbeit auch bei der Pflege der Seiten gelingt, weil alle, die das wollen, ohne vertiefte Computerkenntnisse, Beiträge einstellen können und zwar in der Schule genauso wie am häuslichen Arbeitsplatz. Weil „auctores“ mehr ist, als ein Content-Management-System, konnte damit auch eine erste Organisationssoftware für das online-Essensbestellwesen der Ganztagsschule entstehen.
Forschung und Lehre
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| konzeptionelle Qualitätsentwicklung |
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Wissenschaftler an den Universitäten legen zwar beachtliche innovative Schritte vor, jedoch fiel es uns – wie den meisten Lehrkräften in der Tretmühle des Alltags – schwer, anspruchsvolle wissenschaftliche Texte auf die Schulwirklichkeit herunter zu brechen. Und eine Nahtstelle, also strukturierte Zusammenarbeit zwischen „Universitäten und normalen Schulen vor Ort“ gab es nicht – man hat ja sogar verschiedene Minister für Schule und Universität und für das Kindergartenwesen eine(n) weitere(n). So ersannen wir unsere innovativen Schritte im Team engagierter Lehrkräfte. Die Schulleitung setzte – der bescheidenen Möglichkeiten wegen leider nur wenige – Arbeitsgemeinschaftsstunden ein zur Erstellung neuer Konzepte, zur Erarbeitung neuer Herangehensweisen an aktuelle Probleme und zur systematischen Weiterentwicklung bisheriger Strategien, etwa im Bereich der neuen Medien oder für Teamentwicklung, weil „neue Ideen kein Zufall sind, sondern Ausdruck der betrieblichen Organisation.“ (Benikowski, S. 153).
Trotzdem spielte uns ein Zufall in die Hand und verschaffte uns ein Schlüsselerlebnis zum Thema Wissenschaftlichkeit: unsere erste Erhebung zur Schulqualität im Jahr 2002! Zeitgleich zur staatlich angeordneten Mitarbeiterbefragung durch das Statistische Landesamt bat uns der Lehrstuhl für Schulpädagogik der Uni Nürnberg, eine Erhebung nach ihren Vorgaben durchzuführen. Die Befragungsergebnisse waren gleichermaßen erfreulich: man bestätigte uns eine gute Qualität der Schulentwicklung. Das Fazit für uns allerdings war erstaunlich: Während man mit dem Ergebnis der Landesamtstatistik geneigt gewesen wäre, sich bequem zurückzulehnen, zeigte uns die universitäre Erhebung – trotz hoher Qualität und einem ordentlich Lob von Professor Sacher – weitere Möglichkeiten der Qualitätsentwicklung auf. Außerdem bezog Sachers Erhebung die Befragten demokratisch ein, im Hinblick auf die Bewertung von „wichtig und richtig“, während andere Erhebungen die Werteskala vorschreiben.
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| Zusammenarbeit mit der Uni |
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Zunehmend erkannten wir, dass wir zu vielem, was uns bewegt, das Rad nicht neu zu erfinden brauchen. Deshalb investierten wir noch mehr Zeit für die Zusammenarbeit mit der Universität. Diplomarbeiten zur Qualitätsentwicklung an unserer Schule entstanden und Prof. Dr. Werner Sacher schaute öfter mal bei uns vorbei. Es folgten Gespräche mit zwei Jahrgangsstufenteams, Gespräche mit der Steuergruppe, ein Referat zur Portfolioarbeit in der pädagogischen Konferenz, aber auch mal nur der Besuch eines unterhaltsamen Abends anlässlich eines abendfüllenden Schulspiels. Inzwischen können wir uns bei der Uni revanchieren: Lehrkräfte gestalten ein Proseminar der Universität mit – Lernen durch Lehren auf Gegenseitigkeit! Die Mitarbeitererhebung zu einer weiteren Runde der Qualitätsentwicklung im Frühjahr 2006 und deren Auswertung trauten wir uns jetzt jedenfalls selber zu.
Wissensmanagement
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Laut einem schweizerischer Management-Guru lässt sich Wissen, so erklärt er, nicht managen, und Wissensmanagement sei als Konzept daher so bedeutungsleer wie der Versuch, impressionistische Malkunst als "Pinsel-Management" zu bezeichnen. (vgl. Community of Practice, Mai 2007, http://www.4managers.de/themen/community-of-practice/) (vgl. http://www.weknow.ch/marco/A2004/LC/T000_LC_Einfuehrung.htm)
Nennen wir es besser Wissensteilung? Jedenfalls suchten wir schon vor vielen Jahren nach Möglichkeiten, „Wissen und Kompetenzen“ unserer Schule zusammen zu führen, wollten uns einander angleichen über „corporate identity“ und versuchten uns schließlich im informationstechnischen Schulnetzwerk zu behelfen. Dabei beschränken wir uns nicht auf die Nutzung von Computeranwendungen in der Schulverwaltung, haben nicht nur für die Ganztagsabrechnung eine umfangreiche Anwendung (i-NET-menü) mit entwickelt und selbst unsere Lehrerbücherei auf online-Verwaltung umgestellt, sondern legten Bilder- und Videogalerien auf zentralen Festplatten ab. Stoffverteilungspläne für die einzelnen Jahrgangsstufen legte man im Lehrerzimmernetzwerk ab. Letztlich wollten sich die Lehrkräfte unnötige und doppelte Arbeit ersparen. Die Beschränkungen beim Verwalten von Bildern, Filmen und v.a. fachlichen und didaktischen Wissens liegen aber dann doch sehr bald auch bei den dafür benötigten technischen Anforderungen, die den Rahmen unseres Haushalts sprengen würden. Denn das Hauptproblem beim Wissensmanagement ist weniger die Ablage und Weitergabe von Lehrplänen oder Unterrichtsmodellen, sondern vielmehr die Frage, wie wir die über Jahre entstandenen Erfahrungen und Kompetenzbereiche, vielleicht sogar das über Generationen entwickelte Wissen in Schule und Gemeinde, an andere Personen weitergeben können. Mitarbeiter kommen und gehen und schnell gehen dabei Wissensinhalte verloren. Es ist doch geradezu eine Verschwendung von Arbeitskraft, wenn sich jeder neue Lehrer, der nach Deining kommt, als Einzelkämpfer in die Unterrichtsarbeit zum lokalem Bezug neu einarbeiten muss.
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Softwareschmieden der ganzen Welt arbeiten an diesem Problem und auch hierbei wird unsere Schule ganz bestimmt frühzeitig mitmischen. Bis es aber soweit ist, behelfen wir uns auch hierbei mit unserer Schulhomepage, für deren Aufwändigkeit wir einige gute Gründe anführen. Sie stellt inzwischen ein umfangreiches Schulportfolio (A-Z) dar und der interne Bereich bietet weiteren Raum für zielführende Kommunikation. Unser virtueller Basisordner und ein Info-Blatt "Neu im Kollegium" zielt ebenfalls in diese Richtung. An besseren Suchfunktionen und verbessertem Inhaltsverzeichnis arbeiten wir täglich. Jedenfalls sind Konferenzen zur „corporate identity“ – letztlich mit immer den gleichen Themen – für die alteingesessenen Lehrkräfte ermüdend und für Neuzugänge thematisch viel zu überladen, als dass sie wirklich hilfreich wären. Ein online-Kalender, ein online-Erhebungstool und ein internes Forum runden unsere Bemühungen zum Umgang mit Groupware ab.
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| Wissen geht der Schule verloren |
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Passend zum Thema: Ein Kongress in Dillingen im Jan. 08 "Netzwerkbildung u. Wissensteilung"
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| Info nicht nur für Eltern |
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Durch die Homepage werden also nicht nur die Eltern über das Schulge- schehen und unsere pädagogischen Absichten informiert, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen, sowie die Schülerinnen und Schüler, nehmen die Maßnahmen anderer Jahrgangsstufen besser wahr und können entsprech- end nach-, vor- oder mitziehen. Jedenfalls – Dienstbesprechungen mit reinem Ansagecharakter konnten wir weitgehend minimieren und notorische Internetverweigerer müssen eben damit leben, dass andere besser informiert sind.
Lernen und Unterrichtsentwicklung
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Einige unserer Erfindungen zur Verbesserung der Lernarbeit und der Unterrichtsqualität.
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Die Informations- und Wissensgesellschaft im Verbund mit den modernen multimedialen Möglichkeiten bringen aber – so glauben wir erkannt zu haben – auch massive Nachteile für die Lernarbeit unserer Schülerinnen und Schüler mit sich. Neueste Erkenntnisse der Gehirnforschung bestätigen dies, mahnen längst zur Besinnung und betonen die Schädlichkeit des Fernsehens, selbst bei sogenannten "Lehrsendungen" für Kindergartenkinder. Zeitgleich wünschen ehrgeizige Eltern bereits im Kindergartenalter eine Computerschulung fürs Kind. Vom Kleinkindalter dann an das zweidimensionale Lernen gewöhnt, erfolgt dieses nur noch f l a c h , im wahrsten Sinne des Wortes und immer weniger Kinder lernen durch Erfahrungen mit allen Sinnen und ohne Körperlichkeit, weder ihrer eigenen, noch der Körperlichkeit von den Dingen. Unsere Kinder folgen über die Mattscheibe den Bergsteigern bei alpinen Höchstleistungen, genießen die herrliche Aussicht auf dem Gipfel, haben aber nicht die geringste Ahnung vom erhebenden Gefühl, das sich nach so einer Besteigung - mit all den Mühen und Anstrengungen - erst einstellen kann. Ebenso sitzen sie per Kamera bei Schuhmacher im Cockpit – erleben viel und doch nichts, weil das zweidimensionale Bild nur visuell transportiert, den Fahrtwind aber, den Geruch der Piste, die Körpervibrationen und die Fliehkraft unterschlägt. Sie verfolgen Quiz- und Wissenschaftsendungen – wissen viel und doch nichts. Gleichzeitig gelingt das einfache Balancieren über den Schwebebalken immer weniger "ganz normalen" Kindern.
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| In der Wirklichkeit begreifen |
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Hier setzen unsere Maßnahmen zur Unterrichtsentwicklung und die veränderten Vorstellungen von Lernen an. Selbstverständlich wollen wir weiterhin unsere Kinder multimedial gut gebildet zu den entsprechenden Anschlüssen geleiten und fordern unsere Schüler auch weiterhin auf, sich die Informationen zum Unterrichtsgegenstand aus dem World-Wide-Web zu holen, aber ohne das „Begreifen“ im Sinne von „Anfassen und Handeln“, ohne die körperliche Erfahrung und die tätige Auseinandersetzung mit den Gegenständen, werden weder naturwissenschaftliche, noch mathematische Inhalte wirklich b e g r i f f e n . Hier versuchen wir dagegen zu halten durch begreifbare Modelle und Lern-Camps.
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Wir setzen dagegen unsere Lernwerkstätten und einen handlungsorientierten Unterricht mit begreifbaren Modellen. Wir wollen und wir müssen an unserer Schule einen reichhaltigen Fundus an begreifbaren Modellen schaffen, der mindestens soviel Platz braucht, wie die modernen Technologien. Und weil eine emotionale Erziehung, die auf körperliche Erfahrungen verzichtet, ebenso erfolglos bleiben muss, müssen wir den Schülern hierzu Erfahrungsfelder auftun, die wir mit den Angeboten zum Förder- und Freizeitplan anstreben. Dafür und für vieles mehr brauchen die Schülerinnen und Schüler in erster Linie Zeit, die eine "Schule von acht bis eins" nicht leisten kann. Es braucht einen anderen Rhytmus, der die Lernarbeit in der Schule an den natürlichen Rhytmus der Lebenswelt angleicht und das "Spoon Feeding" beim Lernen im 45-Minuten-Takt abstellt. Eine unrealistische Vision? Die Ergebnisse bestärken uns.
Quellenangabe Dr. Bernd Benikowski, Dormund, in FORUM unterrichten erziehen, Heft 3, Mai/Juni 2006 www.gaus.de
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