|
|
 |
 |
Kann man ...
Darf man ...
Soll man ...
... Erzieher und Soz.Päds im Unterricht einsetzen?
|
 |
|
 |
 |
Im_zweiten Jahr des Ganztagsbetriebes wurde es dem Förderverein ermöglicht über Maßnahmen der Arbeitsverwaltung Sozialpädagogen, Erzieher und Praktiker in Voll- bzw. Teilzeit anzustellen. In einem Versuch an der Schule soll - nach sorgfältiger Planung - ermittelt werden, ob die Qualität der Nachmittagsbetreuung einerseits und die Qualität von Unterricht andererseits dadurch gewinnen kann, wenn die Betreuer auch im Mathematikunterricht mitwirken.
Selbstverständlich wurde über die Frage nachgedacht, ob damit nicht Grenzen überschritten werden im Hinblick auf fachwissenschaftliche, didaktische und pädagogische Ansprüche im Unterricht, standespolitische Erwägungen und unter dem Aspekt der Überforderung bzw. Ausbeutung der Erzieher. Auch haben wir nicht vor - um es gleich vorweg zu nehmen - an den regulär geschaffenen Teilzeitarbeitsplätzen im Ganztags- bereich einzusparen. Vielmehr können Chancen und Grenzen ausgelotet werden, wenn sowohl Lehrer wie sozialpädagogische Fachkräfte im Sinne eines "Professionenmix" gemeinsam arbeiten.
Die Fakten: Drei Erzieherinnen (Kindergärtnerinnen), eine Dipl.Soz.Päd und ein Handwerksmeister werden zusätzlich zu vorhandenen Dipl. (Sozial-)Pädagog(inn)en schwerpunktmäßig in der Betreuung am Nachmittag und dabei eben auch in den Hausaufgabenzeiten eingesetzt. Die Schulleitung hat sie zusätzlich in höchstens zwei Unterrichtsstunden pro Tag, in höchstens zwei benachbarten Jahrgangsstufen und mit höchstens zwei Partnerlehrkräften auch am Vormittag eingesetzt. Beispiele: 1. Die Sozialpädagogin unterstützt das Lehrertandem der 4. Jahrgangsstufe, deren Mathestunden immer parallel auf die fünf Wochentage verteilt sind. 2. Eine ausgebildete Erzieherin im Orientierungspraktikum begleitet die Lehrkräfte für die 5. und 6. Klasse zu allen Mathestunden.
Rein juristisch kann wohl dagegen nichts mehr einzuwenden sein, wenn man inzwischen z.B. selbst die Hospitation von Eltern oder diese als Experten im Unterricht als "innovative Form von Elternarbeit" zur Umsetzung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft begreift (reg-opf). Im Vergleich dazu bietet die von unseren Erzieher(inne)n schriftlich erklärte Wahrung des Datenschutzes und das Versprechen von vertraulichem Umgang mit "zuwachsenden" Informationen zu Schülern jedenfalls eine weitergehendere Form der Wahrung von Persönlichkeitsrechten der Schüler und deren Eltern.
1. Der Vorteil für die Betreuer am Nachmittag:
|
 |
|
Erfahrungsgemäß ist ein nicht zu unterschätzendes Problem der Hausaufgabenbetreuer, dass sie oft die unterrichtliche Begegnung der Kinder mit dem Lerngegenständen nicht kennen und so nicht selten selber Zeit und Energie aufwenden müssen, bis sie die Angaben nachvollziehen und die Aufgaben schließlich erklären können. So entsteht möglicherweise Stress bei den Betreuuern und bei den Kindern manchmal der Eindruck von Inkompetenz bei den Betreuern. Die Hospitation der Betreuer bei Einführungsstunden in den Themenkreis durch den Lehrer und der Einsatz der Betreuer bei vormittäglicher Übung, Differenzierung und Individualisierung kann derartige Probleme minimieren helfen. Eigenverantwortlicher Unterricht durch Erzieher ist selbstverständlich nicht angedacht. 2. Vorteil für die Schüler am Nachmittag
Für viele Schüler, vor allem für solche mit erhöhtem Förderbedarf, ist es bei der Hausaufgabenerledigigung ein ständiges Problem, die gestellten Aufgaben zu erinnern. Arbeitsaufträge wurden nicht richtig verstanden, die Nummern und die Anzahl der Aufgaben im Übungsteil des Buches oder Arbeitsheft wurden nicht ordentlich aufgeschrieben. Folglich werden in der Hausaufgabenzeit nicht selten entweder zu viele oder zu wenig oder falsche Aufgaben gemacht. 3. Der Vorteil für die Lehrkräfte aus der Nachmittagsarbeit
.
|
 |
|
Sie können am nachfolgenden Schulvormittag mit wenigen Sätzen über den Betreuer erfahren, wo es noch Probleme gibt und didaktisch reagieren mit weiteren Übungen, weiteren Veranschaulichungen und individuellen Hilfen. Die Erzieherin widmet sich mit derlei Aufträgen einer Kleingruppe, der Rest der Klasse zieht entsprechend des Stoffverteilungsplanes fort und wird nicht vertröstet oder allein gelassen.
Vielleicht haben Betreuer und eine Schülergruppe in der Freizeit auch mal Lust, für das Waldprojekt der Klasse Rinden, Moos oder Fichtenzapfen zu sammeln. Dann gewinnt der Sachunterricht der Klasse und die Schüler aus der Nachmittagsbetreuung erhalten Lob und Anerkennung für ihre Beiträge.
|
 |
Warum gerade Mathematik?
Ohne dass den Lehrkräften und neuen Mitarbeitern damit Vorschriften gemacht werden sollen, empfiehlt sich doch der Einsatz unserer neuen Mitarbeiter vor allem im Fach Mathematik. Die neuen Mitarbeiter sind bestimmten Jahrgängen zugeordnet und die Stundenpläne auch so gesetzt, dass es in Mathe immer möglich ist. Selbstverständlich könnte man das bei Bedarf abändern.
Jedoch - Mathematische Fähigkeiten sind im Gegensatz zu musischen, künstlerischen oder sprachlichen Fähigkeiten für durchschnittlich intelligente Menschen leichter erlernbar. Der "Bayerischen Schule", dem BLLV-Heft 5/2005 entnimmt man: Mathe kann man, ein bestimmtes Intelligenzniveau vorausgesetzt, lernen. Jemand, der sich für mathematisch nicht begabt hält, irrt schon deshalb, "...weil die Expertise-Forschung belegt, dass hohe Expertenniveaus nicht mit der Intelligenz korrelieren, sondern ausschließlich von der Dauer und Intensität der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Domäne abhängen" (vgl. Prof. Dr. Rolf Oerter, ebd. S. II). Viele Menschen scheitern also lediglich an der rein formalistischen Begegnung damit, die womöglich ohne Anschauung und ohne erlebnishafte Begegnung auszukommen glaubt und auf räumliche und dingliche Vorstellung verzichtet. Deshalb gelingen die Grundrechenarten noch für viele Menschen, während die abstrakteren Gegenstände – wie etwa Prozentrechnen – nicht mehr z.B. in physikalischen Domänen erfasst wird und die dem Lernen zuträglichen "Bilder" im Gehirn dann fehlen.
Mit dem Einsatz von Erziehern für die Schüler, die es noch ein Stück konkreter und anschaulicher brauchen, müsste es möglich sein, dass man weitere Modelle zur Veranschaulichung oder Erlebnisse zur späteren Erinnerung verfügbar macht, ohne dass sich der Lehrer selbst dadurch mit Mehrarbeit belastet oder die anderen Schüler dadurch vernachlässigen muss.
|
 |
Keine Nachteile erkennbar, oder?
So sind für uns aus derzeitiger Sicht keine Nachteile dieser Zusammenarbeit erkennbar. Nachteile würden erst entstehen, wenn man an diesen Versuch Messlatten standespolitischer oder finanzpolitischer Natur anlegen wollte und - unseren Versuch fehlinterpretierend - über Einsparmöglichkeiten bei Lehrkräften, bei deren Ausbildung oder beim Einsatz von Förderlehrern nachdenken wollte. Doch ist unsere Förderlehrerin wesentlich intensiver und auch sonst nicht vergleichbar eingesetzt; und unsere Sozialpädagogin hat von 42 Wochenstunden gerade mal 5 x 45 Minuten Mathematik. Die Kosten-Nutzen-Rechnung für Lehrereinsparungen ginge also nicht auf. Außerdem: Praktikabel und sinnhaft wird unser Versuch ohnehin nur durch die Vernetzung mit unserem Ganztagsbetrieb, der in seiner Art nicht flächendeckend ansteht. Wir sind also keine Gefahr für´s System :)
Entwarnung!
Unsere Erzieher brauchen alle Kraft zwischen 11:30 Uhr und 17:00 Uhr. In dieser Zeit geht es voll zur Sache. Nicht umsonst sind wir dabei auch auf Unterstützung der Jugendsozialarbeit angewiesen. Da kann es nicht schaden, wenn am Morgen die Vorgänge des vorangegangenen Nachmittags nochmals überdacht werden, gegebenenfalls im Gespäch mit dem Schüler oder seinem Lehrer Klärung herbeigeführt werden kann. Auch von daher verbietet sich ein stärkerer Einsatz für den Unterricht. Klar ist: „Ganztagsschulen werden nur dann bessere Schulen, wenn dort zusätzliche Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Erzieherinnen dafür sorgen, dass nicht mehr zwischen Unterricht am Vormittag und Betreuung am Nachmittag getrennt wird. Die (...) PISA-Ergebnisse haben erneut gezeigt, dass wir Schulen brauchen, in denen nicht mehr sechs Stunden hintereinander unterrichtet wird, sondern sich Unterricht, individuelle Förderung und Freizeitphasen sinnvoll abwechseln." Wie sich Lehrkräfte und Erzieher dabei ergänzen können, wollen wir mit unserem Modell in Erfahrung bringen.
05-11-10, lg
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
|
Besichtigung fortsetzen
|
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|
|
|
 |
 |