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Grundschule und Mittelschule Deining

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Leitgedanken und Rahmen
des Ganztagsbetriebes in der Volksschule Deining

 

Neubau für Ganztag - Ostansicht
Neubau für Ganztag - Ostansicht
Mit den Fördergeldern zur "ganztägigen Betreuung von Hauptschülern", der "Mittagsbetreuung" Elternspenden und, in der Anlaufphase, mit individuell gewährten Geldern aus der Jugendhilfe ist in der Grund- und Hauptschule Deining ein Ganztagsbetrieb entstanden, der den Vergleich mit "offenen und gebundenen Ganztagsschulen" nicht zu scheuen braucht. Damit ist ein weiterer wesentlicher Baustein zur Qualitätsentwicklung der Schule, besonders aber zur Chancengleichheit geschaffen worden. Schüler(innen), die – als Folge der (notwendigen) Berufstätigkeit der Eltern - nachmittags sich selber überlassen sind, haben schlechtere Karten für die Schullaufbahn und die nachfolgende Berufsausbildung. Zunehmend sind Eltern aber auch überfordert, den Rahmen für ordentliche häusliche Lernarbeit zu schaffen. Die grundsätzliche „Schule von acht bis eins“ bleibt beim Deininger Modell vorerst  unangetastet, zumindest innerhalb der Bedingungen, die für Nachmittags- unterricht auch zuvor schon galten. Die Nutzung bleibt freiwillig, Nachteile entstehen Halbtagsschülern nicht. Für einige Schüler aus dem Berufsorientierungskurs (8. u. 9. Klasse) und für förderfähige 3./4. Klassler wird aber in Ansätzen eine andere Rhytmisierung von Unterricht versucht.

 


Mehr Angebot, jedoch nicht mehr Belastung

Die Mehrheit der Deininger Lehrkräfte und die Schulleitung erkennen die Forderungen aus Politik und Gesellschaft zur „ganztägigen Betreuung von Schülern“ als Zeichen der Zeit, wissend, dass bei den Gründen oft die Bedürfnisse des Erwerbs- und Wirtschaftslebens sowie demografische Aspekte im Vordergrund stehen. Trotzdem richten sie den Blick auf die pädagogischen Chancen, die sich im Hinblick auf bessere Leistungensinnvoll verbrachter Freizeit und sozialpädagogisch damit ergeben und die v.a. der Betrieb einer richtigen Ganztagsschule hätte. Die Lehrkräfte müssen aber unter den gegebenen Umständen auch ihre persönlichen Leistungsgrenzen sehen, denn bei der Lehrerzuweisung genießt die Schule keine Vorteile – die Personaldecke ist dünn. Organisationsaufgaben zur Ganztagsbetreuung als zusätzliche Aufgbe an Lehrer zu übertragen, lehnte der Schulleiter von Anfang an ab.

Betreuerin bei der täglichen Abbuchung
Betreuerin bei der täglichen Abbuchung

Deshalb galt es, in einem Versuch über den gemeinnützigen Förderverein, einen vernetzten Organisationsrahmen anzustreben, der die kommunalen Ressourcen (Schulhaus und Ausstattung, sowie die Großküche des Landkreises) nutzt und die meisten Lehrkräfte nicht zusätzlich belastet. Für die Errichtung spezieller Räume (Mensa und Rückzugsräume) sorgte die Gemeinde Deining als Sachaufwandsträger der Schule unter Nutzung der staatlichen Fördergelder (IZBB - Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung"). Die zusätzlichen Verwaltungsaufgaben sollten für alle Beteiligten durch innovative Lösungen minimiert werden, die verbleibenden Restarbeiten erledigen die Betreuer(innen) selbst.



Preiswert und für Schüler attraktiv

Die angestrebte Chancengleichheit hängt aber ganz wesentlich von der Sozialverträglichkeit ab – Stichwort Elternbeiträge. Durch das hohe Engagement einiger Lehrkräfte konnten in den ersten Jahren die täglichen Unkosten für Mittagessen (2,50 €) und Betreuung (0,40 €) pro Hauptschüler auf unter 3 € begrenzt werden. Grundschüler zahlen nur unwesentlich (0,60 €) mehr. Damit bleibt das Angebot immer noch auch für Eltern mit geringen Einkünften finanzierbar.

Grundlage für das Gelingen ist die Akzeptanz bei Schülern und damit wieder bei Eltern, also die Qualität des Angebots, beginnend dabei, dass Kinder nicht zum Einheitsessen "verurteilt" sind, sondern täglich aus drei schmackhaften Speisen wählen können und endend bei der Qualität der Betreuung und angenehmen Räumen. Als ständige pädagogische Ansprechpartnerin für Schüler(innen) und Lehrkräfte leitet eine Diplompädagogin die Nachmittagsbetreuung. Die Abrechnungsaufgaben sind einer weiteren erfahrenen Betreuerin übertragen. Ihnen sind zur Abdeckung der notwendigen Arbeitszeiten und für Differenzierungsmaßnahmen weitere acht Betreuer(innen) beigeordnet.


Von Kleingruppen über Nachhilfe bis zur "Hilfe zur Erziehung"

Lernschwache oder verhaltensauffällige Schüler(innen) erhalten ein Angebot zur Individualisierung und Differenzierung. Sie können Hausaufgaben in Kleingruppen erledigen oder Nachhilfe ordern. Die dadurch höheren Personalkosten müssen zum größten Teil auf diese Eltern umgelegt werden. Sozial schwachen Familien wird vom Förderverein finanziell geholfen und sie werden im Umgang mit Behörden durch Lehrer, Ganztagspädagogen und Schulleitung unterstützt. Im Gegenzug könnte die Jugendhilfe des Landkreises von dieser Kooperation mit der Schule profitieren, denn - soviel hat das Deininger Modell schon bewiesen - gar manch finanziell aufwändige Maßnahme könnte sich der Staat sparen, wenn durch Ganztagsbetreuung nur erst mal ein geordneter Rahmen auch für Kinder von Familien mit schwierigen Erziehungssituationen geschaffen worden ist. In besonders gelagerten Fällen könnte vielleicht sogar mit ein paar Stunden "Hilfe zur Erziehung" eine Heimunterbringung verhindert werden. Die VS Deining gilt aber nicht als "klassische Brennpunktschule". Im Zuge einer Grundsatzdiskussion der kommunalen Spitzenverbände mit der Staatsregierung hat die Jugendhilfe des Landkreises die Zusammenarbeit mit der Deininger Ganztagseinrichtung weitgehendst reduziert.

Motto: stärken und ermutigen
Motto: stärken und ermutigen
Der sorgfältige Umgang mit der Unterschiedlichkeit der Kinder gereicht nicht nur den Hilfsbedürftigen zum Vorteil, sondern schützt vor allem auch die ordentlichen und problemlosen Schüler(innen) in ihrem Vorwärtsstreben. Sie werden zu oft zu Benachteiligten, wenn Problemschüler die gesamte Aufmerksamkeit oder Kraft der Pädagogen fordern. Deshalb strebt die Schulleitung auch nach neuen Wegen der Jugendsozialarbeit am Vormittag oder nach Möglichkeiten besserer Rhythmisierung wenigstens für bedürftige Schüler. Ermutigende Ansätze konnten im Berufsorientierungskurs und mit Quali-Go für 8. und 9. Klassler verwirklicht werden. Die angestrebte Errichtung jahrgangs- übergreifender Ganztagsklassen konnte (vorerst) nicht ermöglicht werden. Im Rahmen der normalen Stundenzuweisung ist es aber immerhin gelungen, Differenzierungsangebote nicht nur für die Schwachen, sondern auch für die Starken anzubieten (AG Übertritt, Förderunterricht für M-Schüler und Differenzierungsstunden für Übertrittsklassen). Selbstverständlich werden die Ergebnisse ständig hinterfragt und die Methoden zur Leistungserfassung und -bewertung angepasst; "blinden Aktionismus" will man sich nicht vorwerfen lassen und für Diskussionen will man gerüstet sein - Evaluation ist angesagt.


Auch für Lehrkräfte neue Partner

Mit den Ganztagsbetreuern erhalten nicht nur Eltern, sondern auch die Lehrkräfte neue Partner für die Erziehung. In Gesprächen werden nun die Einschätzungen der Lehrkräfte sehr oft bestätigt und Probleme gemeinsam angegangen. Im Gespräch mit Eltern, Beratungslehrern, Schulpsychologen oder - in Einzelfällen - mit dem Jugendamt entsteht mehr Sicherheit bei Beurteilungen. Vielleicht wird eine Einschätzung oder - bei Hausaufgaben - die Aufgabenstellung bzw. der Umfang auch mal hinterfragt. Professionell agierende Lehrkräfte haben damit keine Probleme und anerkennen die Notwendigkeit zu ständiger Reflexion. Umgekehrt sind kompetente Betreuer dankbar und offen für Hinweise und Tipps aus der Lehrerschaft. Aus Gesprächen mit Betreuern in anderen Ganztageseinrichtungen wissen wir: Unser enger Kontakt zwischen Schulleitung, Lehrern und Betreuern, die tägliche Begegnung im Lehrerzimmer, ist eine absolute Stärke des Deininger Modells. Den möglichen Vorhalt, dass "derartige Gespräche nicht professionell" wären, weisen wir zurück: Erziehung scheitert oft nicht an fehlenden Konzeptionen, sondern viel öfter an defizitärer bzw. zu seltener Kommunikation der Beteiligten mangels Zeit, was manche Kinder zu gerne nutzen, um den Vorgaben auszuweichen.


Zeit haben für die Kinder
Schülerin als Verkäuferin im Café
Schülerin als Verkäuferin im Café
In jedem Fall darf der Nachmittag aber nicht nur den Hausaufgaben  (Kopf) gewidmet werden, sondern muss auch Freizeit und Ausgleich (Herz und Charakter) im Auge haben. Nach 90 Minuten Hausaufgaben – 60 Minuten davon intensivste Konzentration – sollte das Pflichtpensum erledigt sein. Mehr würde sowohl in der traditionell häuslichen Umgebung als auch in der Ganztagsbetreuung zur Überforderung der Schüler führen. Die Ganztagsbetreuung würde "verschult". Die Betreuer wollen und sollen Zeit haben, um die Kinder mit ihren Sorgen und Anliegen nicht zurückweisen zu müssen. Deshalb wäre auch ein allzu dichtes Angebot an Freizeit- und Erlebnispädagogik nicht mehr dienlich. Es braucht einen gesunden, abwechslungsreichen Mix aus Angeboten und Ruhe. Das gewachsene Deininger Angebot unterstützt hierbei ohnehin schon.
Denn wie ein roter Faden ziehen sich die Bereiche "Musik", "Kunst", "Sport", "Medienkompetenz", "Praxis", "Konzentration / Medidation" und "Projektarbeit" durch die Literatur zum Thema "Ganztagspädagogik". Seit Jahren bietet die Volksschule Deining eine Vielzahl attraktiver Arbeitsgemeinschaften. Gerade diese Bereiche "werden in Deining durch kompetente Lehrkräfte gut repräsentiert und mussten nicht erst erfunden werden.


Das tun, was man braucht

Die Deininger Ganztagsbetreuung setzte von Anfang an auf „Bedarfsorientierung“. In der ländlichen Flächengemeinde mit dem großen Anteil an „Buskindern“ galt es auch deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. Da außerdem im Deininger Schulhaus Grund- und Hauptschüler vereint sind, mussten auch die Grundschüler und ihre Eltern ins Konzept eingebunden werden. Dies ist – wie wir glauben – durch Vernetzung mit der staatlich geförderten Mittagsbetreuung und dem Projekt "engagierte Eltern helfen Eltern" (Schüler-Café-Aufsichten) hervorragend gelungen, Synergieeffekte entstehen. Mit dem Schuljahr 2008/09 wurde von der Regierung der Oberpfalz erstmals auch eine Langzeitgruppe zur Mittagsbetreuung mit Hausaufgabenzeit genehmigt. Damit wird - neben der Hauptschule - auch die Ganztagspädagogik für Grundschüler, die in Deining seit dem Jahr 2000 angeboten wird, erstmals explizit gefördert.

Künftig wird es darauf ankommen, dass Eltern, Gemeinde und staatliche Schulaufsicht glaubwürdig, tatkräftig und praxisbezogen die Menschen unterstützen, die das Deininger Modell konkret gestalten, vor allem durch Möglichkeiten der Weiterbildung und Begegnung mit anderen Betroffenen in ähnlicher Situation.

08-07-29 lg

Gesunde Ernährung mit Getränk, Salat und Obst und individueller Auswahl aus drei angebotenen Speisen.
Gesunde Ernährung mit Getränk, Salat und Obst und individueller Auswahl aus drei angebotenen Speisen.
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