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Eigentlich ist der Gedanke der Lernwerkstatt gar nicht neu und es gibt einige Schulen, die seit Jahren gut damit umgehen. Und schon vor der Idee gab es, auch in Deining, motivierte Schullehrer, wie etwa unser pensionierter Josef Aumüller, die sich dieser Pädagogik (Einflüsse der Arbeiterschulbewegung) verpflichtet fühlten. Sein Klassenzimmer war immer reich gefüllt mit „begreifbaren“ Lerngegenständen, etwa einer Steinzeit-Bohrmaschine oder der getrockneten Haut einer Riesenschlange, und seine „Lern(werkstatt)-Tische“ veränderten sich stetig mit den Lerngegenständen. Beschädigungen an den Gegenständen hat Josef Aumüller mit der ihm eigenen Engelsgeduld ertragen. Sogar der an unserer Schule „hoch gehaltene“ Gedanke der Präsentation und Dokumentation zur Projektarbeit ist so neu nicht. Herr Aumüller hat ihn bereits in Siegenhofen verwirklicht. Er fotografierte ständig, ließ überdimensionale Abzüge anfertigen und klebte sie auf Holztafeln für seine Ausstellungen im Klassenzimmer und im Hausgang.
Unsere Werkstatteinrichtungen sind über die Jahre gewachsen und sind, wie Schüler-Café und Computerwerksatt, manchmal aus der Not entstanden. Neu ist jetzt also eigentlich nur das verschließbare Ordnungssystem. Lehrkräfte, die dem Freiarbeitsgedanken bisher schon nahe standen, hatten ihre liebe Not mit dem Aufbewahren ihrer Lerngegenstände. Die Lernwerkstattschränke sollen ihnen helfen und gleichzeitig motivieren, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Was hat der Schüler davon? Richten wir den Blick zunächst auf die Hauptschule. Waren in früheren Jahren noch viele Hauptschüler mit dem am Lehrer orientierten, überwiegend im Frontalunterricht organisierten Unterricht gut zu lehren, so hat sich durch verstärktes Übertrittsverhalten die Zahl der Schüler, denen man damit gerecht wird, drastisch verringert. Mehr denn je brauchen Hauptschüler ein handelndes Erfahren und die Tätigkeit (vgl. O. Seitz) mit Gegenständen. Geschieht das in der Gruppe, so muss vor, bei und nach der Arbeit abgesprochen, geplant und beurteilt werden; das sind Bausteine zum sozialen Lernen. Darin sollten aber auch und gerade leistungsfähige und lernwillige Schüler geschult werden. So rechtfertigt sich der Aufwand für handelndes Lernen also auch für Schüler, die im Frontalunterricht noch bestehen könnten und natürlich auch für die Grundschüler. Wenn Schüler dann „oftmals mittels selbst gewählter Formen und Inhalte, an verschiedenen Plätzen, in ihnen angemessener Zeit, mit selbst gewählten Partnern etc arbeitend lernen“ (vgl. O. Seitz), ermöglicht dies eine für leistungsschwache und leistungsstarke Schüler gewinnbringende Individualisierung. „Lernen in der Schule kann entfremdet sein, wenn Schüler für den Lohn `der guten Note` lernen. Arbeit in der Lernwerkstatt soll den Kindern vermitteln, dass es um ein Handeln ihrer Person, um wertvolles und sinnvolles Handeln geht“ (Subjektivierung) (vgl. O. Seitz). Wenn über das Portfolio dieses Handeln noch zur „direkten Leistungsvorlage“ führt, reduziert sich der Blick auf die möglicherweise ungerechten Noten des Lehrers noch stärker, weitere Möglichkeiten der Fremdbeurteilung (Gruppen- oder Elterngespräch zum Portfolio) entstehen und die Fähigkeit zur Selbstbeurteilung wird verbessert. (vgl. Prof. Sacher zur Leistungsbeurteilung und Ergebnisse PISA-Studie).
06-10-09 lg
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