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Von der Heimfahr-Pflicht
zum Ganztagsbetrieb Bis zum Jahr 1998 bestand für unsere Schüler die Pflicht, nach dem Unterricht das Schulhaus zu verlassen und nach Hause zu gehen, und - falls Nachmittagsunterricht stattfand - rechtzeitig dafür wieder zu erscheinen. Für Fahrschüler bestand entsprechend eine "Heimfahrpflicht". Der Grund dafür war einfach die nicht gewährleistete Aufsicht und die Rechtsfolgen bei Schäden. Für viele Fahrschüler bedeutete es eigentlich nur sinnlose Spazierfahrten mit dem Schulbus, denn es blieben ihnen nur wenige Minuten zu Hause, bevor der Schulbus wieder in Richtung Schule fuhr. Manche auswärtige Schüler gingen deshalb einfach ins Dorf (Treffpunkt Tankstelle), was ihnen aber ausdrücklich untersagt war. Schüler-Café durch SMV Der Schulleiter hatte nun beim Kollegen Braunmiller and der HS Königsbrunn bei Augsburg ein Schüler-Café kennengelernt und Gefallen an der Idee gefunden. Es sollte die legale Konkurrenz zur Tankstelle sein, so dass das Verbot ins Ortszentrum zu gehen gerecht sein konnte. Die SMV war begeistert und man sann nach schülerfreundlichen Gesamtlösungen. Man begann, den Lebensraum Schule systematisch umzugestalten, was einigen Lehrkräften als Einstieg in die ohnehin angestrebte Praxisorientierung und projektorientierte Pädagogik entgegen kam. Die Anfangsprobleme begannen schon mit nicht vorhandenen Sitzgelegenheiten. Sie wurden gemeinsam mit Werklehrer Stefan Thurn, mit dem Lehrer Toni Stadler und mit der Förderlehrerin Mechthild März in Eigenleistung geschaffen, zum großen Teil aus ehemaligen Schulmöbeln, die restauriert wurden. Zusammen mit Schülern gestaltete Lehrer Reinhold Fritsch den Lichthof um und Lehrer Josef Aumüller baute Gartenmöbel für das grüne Klassenzimmer.
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In einem Lederwarengeschäft in Regensburg wurde eine Ladentheke verschenkt; wir holten sie. Ein örtlicher Thekenbauer entsorgte eine gebrauchte Kuchentheke in unserem dmaligen Schüler-Café. Die SMV kaufte mit dem Vorschuss des Fördervereins einen Kicker. 9. Klassler organisierten mit dem Traktor eine herumliegende Telefonzelle. Die SMV kaufte ein Münztelefon. Und der Bruder der Sekretärin hatte Beziehungen zum Bundesbahnausbesserungswerk in Weiden - dort baute man Sitze aus der 2. Klasse der Personenzüge aus und brachte sie als pflegeleicchte Polstermöbel ins Deininger Schüler-Café. Den Verkauf organisierte die SMV und eine Bestellliste neben dem Pausenverkauf ermöglichte die Verpflegung mit Schnitzelsemmel, Pizzaschnitten, Leberkässemmel und Getränken, geliefert vom örtlichen Metzger. Aufsichten durch Eltern Das Problem der Aufsicht und Betreuung wurde durch engagierte Eltern gelöst. Jeden Tag wechselten sich Eltern - vergleichbar den Schülerlotsen - bei der Aufsicht in der Mittagsbetreuung im Schüler-Café ab. Ihre Einnahmen spendeten sie dem Förderverein. Für die Einteilungsliste sorgte zunächst die Förderlehrerin und nach ihr die Lehrerin Moni Holzapfel. Nun sollte bedarfsorientiert dem Wunsch entsprochen werden, auch die Hausaufgabenerledigung an der Schule zu ermöglichen. Denn auf Kinder in ihrer Mittagsfreizeit aufpassen und ihr Spielbedürfnis zu unterstützen, das trauten sich die Eltern zu, nicht aber eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung. Organisation und Verwaltung durch Lehrkräfte Der Förderverein der Schule übernahm mit der Vorsitzenden Julia Schlögel und ihrer Stellvertreterin Brigitte Michael-Steindl die Organisation, die Abrechnung mit der Regierung und vor allem das lästige Eintreiben von Beiträgen bestimmter Familien. Es wurden auf Geringverdiener-Basis Betreuer organisiert und man konnte mit ganz geringen Fördergeldern über einige Jahre hinweg schon zuverlässige Betreuung von Grund- und Hauptschülern bis 15.00 Uhr gewährleisten.
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Inzwischen dienten viele Lehrkräfte mit verschiedenen ehrenamtlichen Jobs als Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Betreuer. Sie klagten nicht, aber die regelmäßige Belastung dadurch musste der Schulleiter zur Kenntnis nehmen. Am schlimmsten belastete die Verwaltungsarbeit zum Lohn- und Gehaltswesen und die Verantwortung als Arbeitgeber. Dauernd änderten sich die Bedingungen für Geringverdiener-Jobs; Lehrkräfte haben anderes zu tun, als Gesetzestexte für die Beschäftigung von Mitarbeitern zu studieren um aktuell zu bleiben. Dazu kam, dass mit der neuen Leiterin der Betreuungseinrichtung auch eine geänderte Einstellung der Betreuer einher ging. Das Job-Denken wich einem am Kind orientierten Fördern. Kleinere Gruppen mit mehr Personal erkannten die verantwortlichen Lehrerinnen als gut und richtig an, jedoch fehlten die Mittel. Im Jahr 2003/2004, als man die Notwendigkeit besserer Differenzierung der Hausaufgabengruppen nicht mehr ignorieren konnte, zahlte man mit dem Förderverein kräftig drauf. Das erzeugte noch zusätzlichen Stress bei den Verantwortlichen im Förderverein.
In diese Zeit fiel ein Missgeschick des Schulleiters, das ihn - mit gebrochenem Bein - für einige Wochen ins Klinikum zwang. Eine dumme Sache, zumal er die Woche drauf gerne zusammen mit Schülern, Eltern und Kollgen den i.s.i.-Preis (Innovationspreis für innere Schulentwicklung) in Empfang genommen hätte.
90% Förderung aus IZBB-Mitteln
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Mit Lesestoff vom Konrektor versorgt erfuhr er im Krankenhaus von den neuen Fördermöglichkeiten für den Aufbau von Ganztagsbetreuung nach den IZBB-Mitteln des Bundes. Eine Förderung von 90% bei Investitionen musste man einfach aufgreifen, dazu noch ordentliche jährliche Zuschüsse des Landes zur Finanzierung von Betreuungspersonal, dachte er. Der Schulleiter hatte seine liebe Mühe, den Verwaltungsleiter zu überzeugen, dass die Sache keinen Pferdefuss hat, außer dem kommunalen Anteil an der Finanzierung aus beiden Töpfen. In der Gemeinde wollte man darüber nachdenken. Die Schule müsse jetzt dazu nichts mehr tun, hieß es. Über ein halbes Jahr hörte man nichts. Wir Pädagogen hatten auch ein anderes Thema im Kopf, nämlich das 30 jährige Bestehen unserer Schule, das wir von 21. bis 24. November 2003 mit einer Chronik als Buch und einem zweieinhalbstündigen Theaterabend ordentlich würdigen wollten. Es hätte ja schon vor einem halben Jahr stattfinden sollen, was der Beinbruch des Rektors verhindert hatte. Am vorletzten Wochenende im November fand das gelungene Großereignis statt. Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter waren "ausgepowert". Am Freitag danach - zu seiner völligen Überraschung - erfuhr der Schulleiter vom Bürgermeister, dass er ein pädagogisches Konzept für die Ganztagsbetreuung braucht. Man will Investitionen im großen Umfang für die Ganztagsbetreuung vornehmen. Und - die Zeit zur Abgabe der Anträge auf beide Fördertöpfe drängt. Ganztagsschule - Vorteile nutzen, Mehrbelastungen vermeiden
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Die Lehrkräfte in der bisherigen Vorstand- schaft des Fördervereins jedoch machten unmissverständlich klar, dass sie eine verstärkte Verantwortung nicht mehr tragen können, was der Schulleiter auch sofort akzeptierte. Überhaupt, so seine Einstellung, darf durch die Organisation der Ganztagsbetreuung keine nachhaltige Mehrbelastung für Lehrer und Schulleitung entstehen. Am Anfang wird´s wohl nicht anders gehen, so die Überlegung.
Die besondere Chance zur Schul- und Qualitätsentwicklung muss aber auch nicht durch bleibende Mehrbelastungen erkauft werden, wenn man sich für die Organisation etwas einfallen lässt. Das nötige Vertrauen, dass die Ganztagsschule auch zur Freude der Lehrer und nicht auf ihrem Rücken gelingen kann, fand der Rektor bei den Kollegen Norbert Schwarz, Michael Palmer und Evy Haberstroh, die sich trotz der enorm wachsenden Verantwortung in die Vorstandschaft des Trägervereins wählen ließen. Brigitte Michael-Steindl behielt ihr Amt. Die ersten Gedanken gingen wild durcheinander und streiften verschiedenste Themen, bis Norbert Schwarz einmal ein Papier zur Hand nahm und ein Mind-Map begann. Gemeinsam mit den Betreuerinnen entwarf man - in unendlichen Stunden im Rektorat - ein wohldurchdachtes Konzept zum Ganztagsbetrieb. Am 16. Februar 2004 wurden die Überlegungen den Elternbeiräten in deren Sitzung vorgestellt. Danach wurden noch alle Eventualitäten durchgespielt und, wie sich zeigen sollte, auch nichts Wichtiges vergessen.
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Andere Einrichtungen wurden virtuell und die Schule Kolbermoor im Chiemgau wirklich besucht. Der Schulleiter besuchte ein Treffen der Ganztagsschulen in München, traf sich mit allen möglichen Gesprächspartnern. Es gab kein kopierbares Modell. Wir wollten eine Version, die wir als für alle Beteiligten gerecht einschätzten. Man diskutierte im Förderverein vor allem viel über Akzeptanz bei Schülern und Eltern, über Offenheit des Systems, die Vermeidung von Exklusivität einerseits und Ghettoisierung andererseits und über neue Chancen der Pädagogik.
Die Gemeinde zieht mit
In Zeiten abnehmender Einwohner- und Schülerzahlen kann man nur mit Qualität bestehen. Die örtliche Hauptschule zu erhalten ist ein großes Anliegen des Schulleiters und natürlich auch des Bürgermeisters. Dieser erkennt durchaus die Chancen einer qualitativ guten Schule. Bei der arbeitsrechtlichen Verantwortung sollte also künftig die Gemeindeverwaltung unterstützen und für die täglich anfallende Organisation, etwa des Mittagessens, muss man sich eine innovative Computer-unterstützte Lösung kaufen. Ein ordentliches Pflichtenheft dafür wurde durch das Ganztagsteam verfasst und an verschiedene Automatenhersteller verschickt. 20.000 Euro, soviel wusste man inzwischen, kann das System mit Soft- und Hardware schon kosten. Wenn die Summe nach IZBB mit 90% gefördert werden, muss auch diese Hürde zu nehmen sein, dachte man.
i-NET-Menü
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| Vom KM und von der Regierung: R. Lacler, S. Friedel, Th. Häns |
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Doch daraus wurde nichts. Alles war genehmigt worden, nur das aus Universitäten bekannte Essensbestell- und Abrechnungs- wesen war gestrichten worden, wie man ein weiteres halbes Jahr später erfuhr. Die Enttäuschung und die Not beim Schulleiter und den neuen Vorständen des Trägervereins waren groß. Nun packte der Schulleiter seine Beziehungen zu einem Computer-System-Haus aus und konnte die Gesellschafter überzeugen, dass es an der Zeit wäre, ein modernes und preiswertes System für Ganztagsschulen zu entwickeln. Der Ganztagsschule gehört die Zukunft und damit auch einem System, das dafür die Verwaltungsarbeit abnimmt. Es entstand das zuverlässige und unschlagbar einfach funktionierende i-NET-Menü und danach das Erweiterungsmodul zur Abrechnung von Betreuungszeiten mit automatischer Buchung der Betreuungsgelder und der Berechnung von Betreuerlöhnen. Und wenn man schon anfangen musste, etwas völlig Neues zu konzipieren, dann konnte man das auch gleich ganzheitlich angehen, dachten die Vorstandsmitglieder. Es brauchte also auch einen innovativen Essenslieferanten, nach Möglichkeit kein schockgefrorenes aufgewärmtes Essen, sondern frisch zubereitetes und trotzdem preiswert. Schließlich wollten wir unsere Schüler nicht zum Einheitsessen verdonnern, sondern aus drei Menüs täglich wählen lassen. Mit Engelszungen versuchte der Rektor die Verantwortlichen des örtlichen Altenheimes von der neuen Chance zu überzeugen. Es gelang ihm nicht. Im Koch vom Klinikum Neumarkt und seinem Wirtschaftsleiter fand er solche Partner.
Mit der neuen Ganztagseinrichtung hat sich die Nutzung des Schüler-Cafés wieder verändern müssen. Mittagessen kann man hier nicht mehr kaufen. Dafür gibt es jetzt Eis. Der Verkauf boomt. Der weitere Verlauf der Ereignisse zum Thema Ganztag ist in Einzelberichten erfasst. Alle besonderen Markenzeichen unserer Schulentwicklung befinden sich im Überblck auf einer Seite.
05-07-12 lg
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