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Portfolioarbeit – ein Vortrag von Prof. Dr. Werner Sacher
Päd. Konf. v. 27.04.2005
Gliederung:

1) Warum Portfolios?
2) Würde die Wirtschaft Portfolios akzeptieren?
3) Welche Arten von Portfolios gibt es?
4) Was kommt in ein Portfolio – wie könnt ein Portfolio aussehen?
5) Was tun mit den Portfolio oder Der Weg ist das Ziel
6) Voraussetzungen für die Portfolioarbeit
7) Das war´s – Ende gut, alles gut?
8) Literatur zum Thema
9) Zum Nachdenken und Diskutieren





1) Warum Portfolios?

Diese Frage stellt sich wohl jedem, der sich noch nicht eingehender mit dem Thema beschäftigt hat. Hierzu stellt Professor Sacher folgende These auf. ( Bild 1 )

Die derzeitige Situation der Leistungsbeurteilung in der Schule (Noten im Zeugnis) zwingen den Abnehmer (Eltern, Erziehungsberechtigte, Arbeitgeber) zu Passivität. Damit ist gemeint, dass das Urteil über die Leistungen des Schülers bereits gefällt wurde und nur noch „hingenommen“ werden kann. Diese Situation löst immer häufiger Unzufriedenheit, Unsicherheit und Zweifel aus.

Was tun???
Abhilfe könnte hier laut Sacher die Direkte Leistungsvorlage (Portfolio) schaffen. Die bereits abgeschlossene Leistungsbeurteilung in Form von Noten, könnte durch eine Sammlung verschiedenster Schülerleistungen ergänzt werden. So wäre es dem Abnehmer möglich, sich eine eigene Meinung zu bilden. Folge wäre größere Transparenz der eigentlichen Arbeit und Leistung des Schülers, aber auch der Schule bzw. des Lehrers und somit auch eine größere Glaubhaftigkeit auf Seiten des Abnehmers.

2) Würde die Wirtschaft Direkte Leistungsvorlagen akzeptieren?

Zu dieser Frage zitiert Sacher Ergebnisse aus einer Umfrage von Gerhard Palme aus dem Jahre 1996, die wie folgt aussehen: (Bild links)
Darüber hinaus bestätigt Sacher diese Angaben durch neuere Gespräche mit leitenden Firmenchefs bzw. Personalchefs, die ihm alle sehr positive Rückmeldung zum Thema Zeugnis + Direkte Leistungsvorlage gaben.

3) Welche Arten von Portfolios gibt es?

- Jede Situation bedingt neue Mittel -

In diesem Zusammenhang unterscheidet Sacher folgende Arten von Portfolios: ( Bild 4 )

Sacher verweist aber darauf, dass durchaus auch Mischformen möglich sind, und er erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, d.h. Neue Situation – neue Art des Portfolios. Hier sind auch dem Lehrer/ Schüler und deren Phantasie keine Grenzen gesetzt.

4) Was kommt in ein Portfolio – wie könnte ein Portfolio aussehen?

Ausgehend von den unterschiedlichen Arten eines Portfolios, bietet Sacher im folgenden Bild einen möglichen inhaltlichen und strukturellen Rahmen für ein Portfolio an: ( Bild 5 )
Wichtig ist es laut Sacher nicht an einer fest vorgegeben Struktur im Allgemeinen festzuhalten, aber dennoch für jede Art von Portfolio gewisse Richtlinien am Besten gemeinsam mit den Schülern/Kollegen/Eltern/eventuell Wirtschaft festzulegen. Zu diesem Punkt zitiert er aus Winter 2004 folgende Stichpunkte: ( Bild 6 ). Winter betont in diesem Zusammenhang auch die Wichtigkeit der Bewusstmachung der eigenen Arbeit beim Kind ( Bild 7 ).

 

 














5) Was tun mit dem Portfolio oder Der Weg ist das Ziel

Um den gewissen Mehraufwand im Schulalltag zu rechtfertigen, kann es laut Sacher nicht nur darum gehen „die Mappe voll zu kriegen“, sondern das Portfolio soll der Anlass für neue Arbeitsweisen im Umgang mit Leistungsbeurteilung und Leistungsfeststellung nicht nur bei Lehrern, sondern auch bei Eltern und Schülern sein.
So schlägt er folgende Arbeitsweisen mit dem Portfolio im unterrichtlichen Alltag vor ( Bild 8 ), verweist aber auch auf Brunner/Schmidinger 2001 die konkret auf die Wichtigkeit von Portfoliokonferenzen mit allen Beteiligten verweisen ( Bild 9 ).

Hierdurch soll der Entstehungsprozess des Portfolios immer wieder durchleuchtet werden und der Schüler soll sich mit seinen Leistungen auseinandersetzen. Leistungskriterien, die nur schwer in ein Portfolio „gepackt“ werden können, wie z. B. mündlicher Sprachgebrauch in Form von Präsentation der eigenen Arbeit kann so überprüft und verbessert werden. Darüber hinaus findet beim Schüler eine ständige Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit statt, so dass hierbei auch Kritikfähigkeit bzw. Argumentationsfähigkeit geschult werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6)_Voraussetzungen für Portfolioarbeit

Wie bei allem Neuen, ist die wichtigste Voraussetzung die Bereitschaft aller Beteiligten zum Experimentieren und „Fehler“ machen. Alles braucht seine Zeit, und so ist es auch bei der Arbeit mit Portfolios. Winter warnt in diesem Zusammenhang davor, die Methode an sich in den Mittelpunkt zu stellen ( Bild 10 ). Um dieser Gefahr nicht zu erliegen sollen nach Sacher folgende Voraussetzungen geschaffen werden: ( Bild 11 ).

Um beim Schüler nachhaltige Wirkung der Portfolioarbeit zu erzielen, muss laut Sacher die Schülerselbstbeurteilung das oberste Ziel der Portfolioarbeit darstellen. Ohne die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen und Leisten würde das eigentliche Ziel verfehlt. Nur ein Schüler, der hinter seinen Arbeiten stehen kann und diese auch kritisch bewertet, wird als „Leistender“ anerkannt und ernst genommen werden.
Um dies Ziel zu erreichen bietet Sacher folgende Grundsätze bzw. methodische Maßnahmen als Richtlinien an:

Methodische Maßnahmen:

 Für Motivation sorgen: Sinn der Selbstbeurteilung: Förderung
 Prinzip des auf verschiedene Personen aufgeteilten Handelns
 Gut beobachtbare Handlungen und Operationen
 Gewährung von Zeit und Hilfe für das Aufarbeiten von entdeckten Lücken und Defiziten
 Keine zu einfachen Aufgaben
 Weder am Beginn, noch am Ende des Lernprozesses: „Halbfabrikate“ 
 Verwendung von Handlungsmodellen, Handlungsmustern, Checklisten und Musterlösungen
 Führen von Berichtsheften und Lerntagebüchern

 bewährt: dialogische Führung durch Schüler und Lehrkraft

 Verbund- und Kombinationsmodelle von Selbst- und Fremdbeurteilung
 

Systematische Fehlerarbeit
Sensibilisierung für Fehler (Suchen von Fehlern: Partnerkorrekturen, Führen von Fehlerlisten
Reflexion über Fehler
- Klassifizierung von Fehlern
- Kausalhypothesen
- Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern
- Evaluation ergriffener Maßnahmen



7) Das war´s – Ende gut, alles gut?

Noch stehen sowohl Theoretiker, als auch Praktiker am Anfang und es wird noch eine Weile dauern und noch viele Fragen geben, und es wird wohl auch nie auf alles eine Antwort zu finden sein, aber wie bereits erwähnt, der Weg ist das Ziel, und wer nicht los läuft, wird auch nie ankommen.

8) Literatur (Bild links)


9) Zum Nachdenken - entstanden aus der Diskussion zum Refereat:

· Wie ist Portfolioarbeit in der Grundschule zu leisten (Zeitaspekt)
· Wie lassen sich Manipulationen verhindern
· Wie viel und was soll genau rein
· Reicht die intelektuelle Reife der Schüler aus?
· Soll/ wird Portfolio im Lehrplan verankert werden?
· ...

Eine Präsentation von Prof. Sacher (Download v. Schulamt Wunsiedel)
Dr. Sacher in Bielefeld: Leistungen und Noten

Zum Weiterlesen:
Vorschläge des Schulleiters für Portfolioordnung
Bei dieser Gelegenheit: Innovationskritik


(Zusammenstellung Lan nach Haa)
     vgl.  weitere Konzepte
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