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Volksschule Deining Deining, 12. September 2005
Schulleitung "Schüler werden zum bulimischen Lernen abgerichtet: Kurz vor Prüfungen fressen sie Stoff in sich hinein, erbrechen ihn während der Prüfung wieder, und haben am Ende kein Gramm zugenommen" (Fritz Schäffer, der Berufswissenschafter eines großen Lehrerverbandes zur traditionellen Schule). vgl.
In diesem Zusammenhang erstmals gebraucht hat diesen Begriff zur Magersucht der Hirnforscher Gerald Hüther von der Universität Göttingen. Er kritisiert den klassischen Unterricht an deutschen Schulen als "passive Lerndressur". Der Wissenschaftler fordert, die Begeisterung der Kinder für das Lernen zu erhalten und zu fördern, statt sie zu reinen "Fachidioten" zu machen. vgl.
Es geht also ums richtige Lernen Liebe Eltern!
Eine innovative Schule ist auf Eltern angewiesen, die Verständnis für die Veränderungen haben oder zumindest ihrer Schule vertrauen. Deshalb berichten wir ausführlich über unser pädagogisches Tun in unserer Homepage „www.vs-deining.de“. Bitte schauen Sie dort regelmäßig vorbei. Das Wichtigste möchten wir Ihnen aber auch in der ersten Elterninformation des neuen Schuljahres nahe bringen.
Aus den Medien oder von unserer Homepage her wissen Sie vielleicht, dass der schulische Ganztagsbetrieb aus Sicht der Pädagogik wesentlich mehr darstellt, als nur eine Unterstützung für berufstätige Eltern. Finnland zum Beispiel – bekanntlich das Gewinnerland bei der vergleichenden Leistungserhebung von gleichaltrigen Schülern (PISA) – gewährt allen Schülern kostenloses Mittagessen, weil "warmes Mittagessen für alle Schüler zur Grundvoraussetzung für physisches Wohlbefinden in der Schule“ gehört, wie Rainer Domisch vom finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen, Helsinki, erklärt. Und „Wer sich nicht wohlfühlt“, sagt er, „kann nicht lernen.“
Wir Deininger haben zusammen mit vielen engagierten Lehrkräften, Eltern, Schülern und der Gemeinde in den Jahren vor PISA schon sehr viel dafür getan, dass sich alle Beteiligten am Schulbetrieb wohlfühlen können. Mit dem Innovationspreis für unsere Schule im Jahr 2002, aber auch mit jeder PISA-Veröffentlichung wird bestätigt, dass wir damit richtig liegen.
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Gerechte Lernchancen Die auffälligste Veränderung war sicher die im Schuljahr 2004/05 eingeführte Ganztagspädagogik. Jedoch - die Erweiterung der schulischen Arbeit auf das außerunterrichtliche Lernen stellt nur einen Baustein dar, nicht mehr und nicht weniger wichtig, wie die Lernwerkstätten und die zahlreichen anderen Ergebnisse unserer Schulentwicklung. Es ging uns bei der Pädagogik, aber auch dem Bürgermeister und den Gemeinderäten, bei Investitionen stets darum, möglichst für alle Schüler optimale und gerechte Lernchancen in guter Lernumgebung zu schaffen. In absehbarer Zeit werden Bürgermeister und Gemeinderäte deshalb unser gesamtes Schulhaus über die Sanierung zum Positiven verändern. Leistungsverbesserungen Viele Schüler - nicht nur solche, deren Eltern berufstätig sind, und auch nicht nur solche, die Lernprobleme haben - genießen inzwischen die unterrichtsfreie Zeit an der Schule. Hier kann man mit Freunden und im Team an den gestellten Aufgaben arbeiten, findet in den Werkstätten und in Fachräumen das passende Werkzeug, erhält Anregungen und Tipps vom älteren Mitschüler, Lehrer oder Betreuer. Unsere Auswertung der Leistungsergebnisse zum Ende des Schuljahres hat bewiesen, dass sich sehr viele Schüler im Ganztagsbetrieb deutlich verbessert haben. Den Hauptschulabschluss haben alle, den Quali die meisten 9. Klassler erreicht. (vgl.)
Mehr Zeit für Schüler Neu im Schuljahr 2005/06 wird sein, dass Betreuer (Sozialpädagogen oder Erzieher) zeitweise auch vormittags am Unterricht teilnehmen. Sie können sich einzelnen Schülern oder Gruppen besonders widmen und am Nachmittag diese Schüler, etwa bei Referaten, Projekten oder Hausaufgaben noch gezielter unterstützen. Ermöglicht hat dies der Förderverein der Schule in Zusammenarbeit mit der ARGE des Landkreises. So können wir unseren Schülern geben, was heutzutage leider sehr knapp geworden ist, mehr Zeit und Zuwendung. (vgl.)
Sinnvoll verbrachte Freizeit Der Schüler, der unser Nachmittagsangebot nutzt, erfährt durch unsere Freizeitpädagogik aber auch eine Stärkung seiner Persönlichkeit. Mut machen und Selbstvertrauen stärken heißt dabei unser Motto. Natürlich kann er nach getaner Arbeit oder zwischendurch auch mal entspannen und den Ausgleich suchen. So kann durchaus die Situation entstehen, dass es in der Schule interessanter ist als auf dem Spielplatz. Er hat beim Verlassen des Schulhauses am späten Nachmittag jedenfalls das gute Gefühl, dass er das Wichtigste sauber erledigt hat. Seine Eltern haben weniger Stress beim Kontrollieren seiner Aufgaben, wodurch sich die Erziehungssituation auch in der Familie entspannt und mancher Konflikt vermieden werden kann. Was die Privatsender dagegen ihrem Kind am Nachmittag mit Sex&Crime ins Wohnzimmer oder Kinderzimmer übertragen, stellt jedenfalls eine traurige Freizeitalternative dar.
Ein Drittel unserer Familien hat unser Angebot genutzt. Wir meinen, es dürften zum Wohle der Schüler ruhig noch mehr werden. (vgl.) Und außerdem: Versuchen Sie doch mal zu Hause für rund 3 € ein Schnitzel mit Pommes, Beilagensalat, Banane oder Nachspeise und Getränk zu servieren! Wir behaupten, dass das ausgesprochen familienfreundlich und sozial ist. Sollten Sie sich das nicht leisten können, sprechen Sie mit uns! Jedenfalls soll eine Entscheidung dafür nicht am Geld scheitern.
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Denn es geht ums Lernen! Das müssen auch Lehrer und Eltern, bekanntlich ein ganzes Leben lang. „Ein Elektriker bei uns lernt alle drei Jahre völlig neu, sein Wissen ist nach drei Jahren veraltet“, sagte der Manager der Grammer AG, Georg Kuhn, in einer pädagogischen Konferenz. Beim Lernen in der Schule wollen wir uns deshalb leiten lassen von einer neuen Lernkultur, die der veränderten Gesellschaft gerecht wird und Lernen als etwas Positives und Dauerhaftes begreift. Lehrkräften gibt dies die Chance, nicht mehr auf die Rolle festgelegt zu sein, alles wissen und können zu müssen. Schülern wird die Möglichkeit gegeben, ihren Lebensbereich Schule verantwortlich mitzugestalten und dabei sehr stark praxis- und handlungsorientiert, also "im richtigen Leben" und „begreifend“ zu lernen. Auch dafür braucht es Zeit, die ein gedrängter Vormittag allein nicht hergibt. Die direkte Leistungsvorlage Zur neuen Lernkultur gehört aber auch entscheidend die Erkenntnis des Schülers, dass er nicht für die Noten lernt, sondern von sich aus am Thema und an brauchbaren, vorzeigbaren Ergebnissen interessiert ist. PISA hat bewiesen, dass Noten oft ungerecht sind. Die Lernpsychologie beweist, dass Noten oft das Lernen behindern. Wir können in Deining die Noten nicht abschaffen, aber wir sollten beständig versuchen ihnen die lernbehindernde Energie zu nehmen. Die Vorlage der direkten Leistung - von der guten Mathematikprobe bis zum gelungenen Werkstück - statt nur der Zeugnisnoten, ermöglicht beim Schüler häufigere und länger anhaltende Erfolgserlebnisse und Lernfreude, sowie einen gerechteren Blick auf seine Leistungen. So wie ein schönes Bild einen passenden Rahmen und Platz braucht, benötigen die Lern- und Arbeitsergebnisse der Schüler einen „passenden Rahmen“. Ein Briefmarkensammler wird seine Schätze nicht irgendwie aufheben, sondern in verschiedene Alben sortieren. Erfahrungsgemäß haben viele Schüler Freude am Sammeln. Diese Neigung wollen wir nutzen und in mehreren Klassen, zunächst nur in der Hauptschule, allen Schülern aufgeben, ihre besten Ergebnisse in persönlichen Koffern dauerhaft aufzubewahren. Die von Kunststoff Reber angefertigten Koffer haben innen ein ausgeklügeltes Ordnungssystem und werden in, von der Gemeinde zur Verfügung gestellten, abschließbaren Schränken im Klassenzimmer gelagert. Fit für die Bewerbung Geht der Schüler dann in einem oder mehreren Jahren zu einem Bewerbungsgespräch, z.B. auf der Suche nach einer Lehrstelle, so nimmt er seinen Koffer als Bewerbungsportfolio mit. Er kann neben dem Mathe-3er im Zeugnis vielleicht auch die Note 1 auf einer Geometrieprobe herzeigen aber auch die Ehrenurkunde vom Sportfest und vielleicht auch ein sehr gut gelungenes Werkstück oder Kunstwerk. Die Zeugnisnoten werden damit unwichtiger. In Gesprächen mit seiner Lehrkraft, mit Betreuern und Mitschülern hat der Schüler erfahren, welche Ergebnisse wirklich gut ankommen und welche er besser nicht vorzeigen sollte. Die Fähigkeit zur Selbstkritik wird geschult. Dass die Leistungen echt erbracht wurden und nicht gefälscht sind, bestätigt die Lehrkraft. |
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In der Schule hat der Schüler dann auch gelernt, sein Portfolio der Reihe nach vorzustellen und sich damit zu präsentieren. Wir sind überzeugt, dass Bewerbungsgespräche für unsere Schüler dann wesentlich günstiger verlaufen. Viele Handwerksmeister, mit denen wir gesprochen haben, aber auch Professor Sacher, Nürnberg, und der Lehrplanexperte Klaus Dierl, Regensburg, halten unsere Idee für ausgezeichnet.
Um selbständige Lernarbeit einzeln oder in der Gruppe zu ermöglichen, werden zum Schuljahresbeginn außerdem in diesen Klassenzimmern Lernmaterialschränke aufgestellt. Plakatpapier, große Stifte, Klebstoff und andere Materialien sind mehrmals vorhanden. Lexika, Wörterbücher, Atlanten und dergleichen mehr stehen dem Schüler neben den vorhandenen Computern zur Verfügung.
Nicht Abschluss, sondern Anschluss zählt! So wird auch mit dieser Veränderung einmal mehr deutlich, dass wir in Deining gute Abschlüsse vor allem deshalb anstreben, weil die Schüler einen optimalen Anschlusszug erreichen sollen und nach diesem dann wieder einen nächsten. Sie als Eltern können leider nicht mehr davon ausgehen, dass ihr Kind mit einer abgeschlossenen Lehre seine Zukunft gesichert hat. Es wird sich noch oft bewerben müssen und im Wettbewerb stehen. Darauf wollen wir unsere Schüler verstärkt vorbereiten. Sie sollen zu keiner Zeit auf dem Abstellgleis landen. Wenn sie selbständiges Lernen und die überzeugende Präsentation ihrer Arbeit gelernt haben, steigen ihre Chancen.
Bitte helfen Sie als Eltern mit, indem Sie Ihrem Kind ermöglichen, unsere zahlreichen Lernangebote in Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenzeiten, Nachhilfe und Freizeitangeboten zu nutzen. Wir freuen uns übrigens auch über jede – selbstverständlich steuerlich absetzbare - Spende für den Förderverein der Schule. Wir von der Schulleitung wünschen allen einen guten Start in das neue Schuljahr! Heinz Lang, Rektor |
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