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Grundschule und Mittelschule Deining

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Auf dem Land ist die Welt ja in Ordnung, oder?

Hauptmeldung in ZDF Heute und bei n-tv am 30.03.06: In Berlin Neukölln beantragten die Lehrkräfte die Auflösung ihrer Schulart. Neukölln ist einer der Berliner Bezirke mit dem höchsten Ausländer- und Arbeitslosenanteil. Die meisten Migranten kommen aus der Türkei, aus arabischen Ländern, aus Ex-Jugoslawien und Polen. An der Rütli-Hauptschule sind derzeit 224 Schülerinnen und Schüler. Die Stadt sicherte zu, dass die Schulleiterstelle schnell besetzt werde und zusätzliche Sozialarbeiter und Psychologen entsandt würden (zwei gibt es schon).

Die_Verhältnisse an unserer Schule (ca. 350 Grund- und Hauptschüler) sind aus Sicht der Berliner Schüler und Lehrkräfte sicherlich traumhaft und Lösungsansätze, die bei uns noch funktionieren, wurden dort vielleicht längst als fruchtlos aufgegeben. Jedoch - zunehmende Erziehungsprobleme, und zwar auffallend viele in der Grundschule, sind uns durchaus vertraut, obwohl unser Ausländeranteil bzw. die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund deutlich geringer ist. Solche medienwirksame Ereignisse wie in Berlin bergen die Gefahr, dass der Blick auf weniger spektakuläre Erscheinungen verloren geht.

Da läuft offensichtlich in der Erziehung etwas schief!

Im Ganztagsbetrieb fällt uns auf, dass es z.B. am Montag schwieriger ist, die Kinder zu einem geordneten Arbeits- und Freizeitverhalten zu bringen, als etwa am Donnerstag. Auch wundern wir uns nicht mehr, wenn ein Schüler, der von einer Lehrkraft gebeten wird, eine herumliegende Bananenschale zu entsorgen, sich verweigert oder, vom Hausmeister aufgefordert ihm zu helfen, antwortet:" Mach doch deinen Dreck alleine!". Andere Schüler, von Eltern gedeckt, bleiben dem als "unwichtig" eingeschätzten Unterricht fern und gehen einfach nach Hause. Klar - Wir lassen das nicht ohne Folgen durchgehen. Jedoch - Da läuft offensichtlich in der häuslichen Umgebung etwas schief! Auch Schüler von uns verbringen bis zu vier Stunden in Chat-Rooms, gehen vor dem Unterricht noch schnell online. Videospiele und Surfen im Internet kommen zeitlich dann noch dazu. Manche Probleme unserer Schüler entstehen dadurch erst, wenn man sich z.B. im Gästebuch gegenseitig "nervt" oder beschimpft. Nachmittags laufen dann im Fernseher die Gerichtsshows und im Vorabendprogramm irgendwelche Soaps, die einige Schüler nicht versäumen wollen. "Woher wir das wissen", fragen Sie? Nun - der Ganztagsbetrieb lässt uns viele Erscheinungen noch deutlicher erkennen und unsere Lehrkräfte mit hoher Medienkompetenz beobachten die Chatrooms, was wir den Schülern natürlich auch sagen. Dabei erfährt man noch mehr.

 

Von der "Kirwa" ins "Häusl"

Es werden nämlich noch am Wochende ziemlich bestimmt, nicht selten aber auch unter der Woche, in den Dörfern sogenannte "Buden" oder  "Häusl" aufgesucht, wo Alkohol und dergleichen reichhaltig zur Verfügung stehen. Der Besuch von Diskotheken wird den Schülern ja durch Türsteher verwehrt. Bei Feuerwehrfesten oder Rockveranstaltungen werden die Grenzen fließender, wobei manche Veranstalter  zunehmend darauf achten, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Oft sind aber auch Eltern, die es nicht so genau nehmen, irgendwo im Zelt anwesend. Siebtklassler durften z.B. am Unsinnigen Donnerstag über die Nacht ausbleiben, um vom Partyraum aus am nächsten Tag in die Schule zu gehen.

Es dauert manchmal unerträglich lange, bis Eltern bereit sind,
das Übermaß bei gewissen Erscheinungen einzugestehen und uns diese "Einmischungen ins Privatleben" nachsehen. Klar - wenn wir nicht hinschauen, haben wir keinen Ärger. Erziehung gelingt aber nur, wenn Schule und Eltern "an einem Strang ziehen", um wenigstens an bestimmten Tagen der Woche für einen geordneten Tagesablauf der Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Noch besser wäre, wenn Schüler und Lehrkräfte sich zusammentun. Oft vergehen aber Jahre und manche Eltern hören nie auf, den Beteuerungen ihrer Kinder zu glauben, dass nicht sie, sondern andere Kinder oder gar die Lehrkräfte bei Problemen schuld sind. Wenn dann in der 8. Klasse kurz vor Ostern die Zeugnisse für den Übertritt in die M-Klassen erstellt werden, beginnen manche - viel zu spät - mit Nachhilfeunterricht oder hoffen gar auf "Gefälligkeitszeugnisse" und zum Ende der 9. Klasse dann noch einmal.

Fragwürdige Einstellungen zur Erziehung beginnen bei manchen bereits am ersten Tag, also bei der Einschulung. Einige muss man daran erinnern, dass ihr Kind nun in die Schule gehen und angemeldet werden muss. Nicht alle Eltern finden die Möglichkeit, an diesem Tag ihr Kind - den Vorgaben entsprechend - vorzustellen bzw. einzuschulen, weil sie keine Zeit haben. Dabei ist dieser Tag an unserer Schule sehr erlebnishaft und - orientiert am Kieler Einschulungsverfahren - von großer Wichtigkeit. Über solche Erscheinungen war man bis vor wenigen Jahren nur aus den Berliner oder Münchner Medien informiert und doch haben sie uns auch erreicht.

Im Gespräch mit unseren Schüler- sprecherinnen wurde uns klar, dass die gleichzeitige Thematisierung der verschiedenen Probleme zu Missverständnissen führen kann, also zu der falschen Annahme, dass alle hier aufgezeigten Vorkommnisse auf die gleichen Schüler zuträfen, die im Zusammenhang mit dem Thema "Budn" standen.

Wir reagieren derart, dass wir das Thema Bude (Klick auf Überschrift) auf eine eigene Seite legen. In diesem Textbeitrag geht es uns darum, unseren Schülern aufzuzeigen, dass es im Internet keine Privatheit gibt. Übrigens: Auch Beleidigungen, die im Internet stehen, erfolgen öffentlich und sind strafbar.

Wir beschwerden uns nicht

Soweit die Schilderung zur Situation mit einigen "ganz normalen" Schülern. Selbstverständlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir an unserer Schule auch viele höchst engagierte Eltern haben und der Sachaufwandsträger unterstüzt uns hervorragend. Anders wären unsere Fortschritte bei der Schulentwicklung gar nicht möglich gewesen. Deshalb beschweren wir uns auch nicht, sondern arbeiten mit denen intensiv zusammen. Unsere Lehrkräfte, zum Großteil ehrenamtlich organisiert über den Förderverein der Schule, zeigen überdurchschnittliches Engagement und können zusammen mit unseren 18 Betreuungskräften, davon drei Diplom- bzw. Sozialpädagogen viele Probleme lindern. Wir bieten am Vormittag und am Nachmittag ein hohes Maß an Förderung für Leistungsfähige und Schwache, bieten unkompliziert allen, die das wünschen, einen preiswerten und gesunden Mittagstisch und ein abwechslungsreiches, pädagogisch durchdachtes Freizeitangebot.

Dann gibt es aber noch die Schüler, zugegeben meist nur zwei oder drei pro Klasse, die durch ganz individuelle Probleme auffallen, von Aggression bis Depression, von traumatischen Erlebnissen bis zu anderen Sozialisationsdefiziten, deshalb Probleme machen und, anders als früher, nicht mehr gegen den Elternwillen an spezielle Förderschulen überwiesen werden können. Für sie brauchen wir dringend weitergehende Hilfen, von Schulsozialarbeit und bis zu der "Hilfe zur Erziehung".

Jahrelang hat man dem Berufsstand der Lehrer Bequemlichkeit und mangelnde Flexibilität vorgeworfen. Engagement und den Mut, Grenzen auszuloten, hat man von Lehrkräften gefordert. Das alles wird in Deining von Lehrkräften eingebracht und dies hat für quantitative und qualitative Kapazitäten bei der Personalentwicklung gesorgt. Jetzt kommt es auf die Unterstützung durch die Jugendhilfe an, denn mit Ehrenamtlichkeit und Spendengeldern alleine sind diese Dinge nicht mehr zu meistern. Man sollte uns nicht entgegenhalten, dass für diese Arbeit (Es gibt einen gesetzlichen Anspruch darauf) in den Jugendämtern kein Geld zur Verfügung steht. Nach den Osterferien führen wir deshalb dazu ein Gespräch mit dem Leiter des Jugendamtes.

06-03-30 lg  (weiterlesen )
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